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Geschrieben von Dr. Volker Graulich   
Samstag, 29. Oktober 2011

Der Jugendsprecher beim VfR Niedertiefenbach ist einmalig im Kreis

Quelle: Weilburger Tageblatt vom 25.10.2011

ocht auf die Jugendordnung: Florian Schlitt (14)Beselich-Niedertiefenbach. Florian Schlitt (Foto) ist einmalig. Im Kreis ist er der erste Jugendsprecher eines Sportvereins. Und das mit 14 Jahren. Aber was macht man in dieser Rolle - und mit dem Geld, das die Sportjugend Hessen dafür zur Verfügung stellt? 

Jugendabteilungen gibt es viele in den Sportvereinen quer durch den Kreis. Aber ein Jugendausschuss mit einem Jugendsprecher, das ist die Ausnahme. Im Sportkreis Limburg-Weilburg ist der VfR Niedertiefenbach in diesem Bereich wohl einmalig. Genau sagen kann das niemand, denn eine Statistik darüber wird nicht geführt. Weder bei der Sportjugend Hessen, noch im Sportkreis selbst.

 Der 14-jährige Florian Schlitt vom VfR, gerade frisch zum Jugendsprecher gewählt, soll jetzt also gemeinsam mit "seinem" Jugendausschuss überlegen, wie die Jugendlichen im Verein besser eingebunden werden können. Der Jugendausschuss, das sind außerdem die zwei Jugendlichen Henrik und Karol Schenk sowie die zwei Erwachsenen Volker Graulich und Tina Schulz.

Gemeinsam stehen dem Gremium rund 150 Euro zur Verfügung, die von der Sportjugend Hessen kommen. Voraussetzung dafür war die Erarbeitung einer Jugendsatzung und die Gründung eben dieses Ausschusses. Was sich nach wenig Geld anhört, könnte durchaus mehr werden, wie Jugendleiter Graulich versichert. Nämlich dann, wenn die anderen Jugendlichen im Verein den Ausschuss und seinen Sprecher als ihr Sprachrohr akzeptieren und mindestens ein Projekt von und für Jugendliche erfolgreich umgesetzt wird. Dann will auch der Vorstand noch einmal in die Kasse greifen.

"Bisher haben ja eher die Alten im Verein gesagt, wo es für die Jungen lang geht", sagt Graulich und erzählt von seinem Vater. Der habe sich vor Jahrzehnten bei einer Generalversammlung des Vereins getraut, zu fragen, was der Verein eigentlich für die Jugend tun könne. Daraufhin sei er von "den Alten" regelrecht zusammen gefaltet worden. "Damals wäre eine Vertretung gut gewesen", sagt Graulich. Die hat er nun installiert. Die Idee dazu kam ihm bei einem Lehrgang für Jugendleiter.

Natürlich sei er bei der Umsetzung auf Widerstand gestoßen. Ältere Mitglieder hätten Zweifel geäußert, ob man Jugendliche selbst über Geld entscheiden lassen sollte. Schließlich hat in dem Ausschuss jede Stimme gleich viel Gewicht. Und die Jugendlichen sind in der Überzahl. Am Ende habe sich aber die Meinung durchgesetzt, dass den jüngeren Vereinsmitgliedern Vertrauen und Wertschätzung entgegen gebracht werden sollte. "Nur so können sie sich weiterentwickeln", sagt der Jugendleiter. Und davon könne auch der Verein nur profitieren. 80 Jugendliche bieten schließlich auch ein gewisses Potenzial.

Und für die ist Florian nun Ansprechpartner. Notfalls auch, wenn es Ärger mit Trainern oder der Vereinsführung gibt. "Aber er muss sicher keine Probleme lösen, an denen Erwachsene scheitern", versichert Graulich.

150 Euro, das reicht für eine Fahrt oder um neue Sportarten auszuprobieren

Aber was anfangen mit dem Geld? Der Abwehrspieler und Eintracht-Fan Florian hat da schon das ein oder andere Projekt vor Augen: Eine Fahrt in den Kletterpark könnte man unternehmen, oder eine LAN-Party organisieren, vielleicht auch mal einen Tag, an dem amerikanische Sportarten wie "Ultimate Frisbee" oder American Flagball" ausprobiert werden können. Die Umsetzung dieser Ideen kostet wenig, im Idealfall könnte sich daraus über kurz oder lang aber ein breiteres Sportangebot oder sogar eine neue Abteilung ergeben.

Und welches Ziel hat sich der Achtklässler für seine erste Amtszeit gesetzt? "Dass alle im Verein sich besser kennen lernen und häufiger zusammen kommen", antwortet Florian. Und er will beweisen, dass man ein Projekt auch als Jugendlicher von der Pike auf planen und zu einem Abschluss bringen kann. Als erstes will er sich um einen Fußballtag kümmern. Dazu sollen auch Nichtmitglieder auf das Vereinsgelände gelockt werden.

Die Jugendlichen in Niedertiefenbach werden also bald mehr von Florian Schlitt hören und lesen. Schließlich wird die Einladung zum Fußballtag zum ersten Mal seine Unterschrift tragen.

 

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 11. Dezember 2011 )
 
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